Zurück zu Raiffeisenbank Maitis Chronik

Rückblick auf die Gründerzeit der Bank: 1918: Der 1. Weltkrieg ist verloren - der letzte Deutsche Kaiser - Wilhelm II - hat abgedankt. Was folgt, ist in die Geschichtsbücher als Weimarer Republik eingegangen. Nur über Notverordnungen konnte die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten werden. Das Land steht wirtschatlich und politisch vor dem Nichts. Die Regierungen wechseln oft schon nach nur wenigen Monaten. Im Friedensvertrag von Versailles werden den Deutschen harte Bedingungen diktiert.
1923 besetzt Frankreich das Ruhrgebiet, um seinen Forderungen aus dem Friedensvertrag Nachdruck zu verleihen. Die Reichsregierung ruft zum passiven Widerstand auf und finanziert einen Generalstreik für das Ruhrgebiet. Dies treibt die Inflation an. Hierzu ein paar bemekenswerte Zahlen: Am 31. August 1923 muß man für einen US-Dollar 10 Mio Reichsmark bezahlen, zwei Wochen später ist der Preis auf 100 Mio gestiegen; Ende Oktober sind es 72,5 Milliarden Mark. Am 15. November 1923 wird eine Währungsreform durchgeführt - für eine neue Rentenmark müssen 1 Billion Reichsmark auf den Tisch gelegt werden = 1 Billion ist eine Zahl mit 12 Nullen.
Daß diesen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse auch an Maitis, Lenglingen und Radelstetten nicht spurlos vorübergehen können ist sicherlich zu verstehen.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Not in der Bevölkerung waren schon zur Zeit von Friedrich Wilhelm Raiffeisen eine Triebfeder zur Gründung einer Selbsthilfeorganisation - unter dem Leitsatz "Einer für alle - alle für einen" so wie er auch heute noch an unserem Bankgebäude zu lesen ist.
Auch für die Gründerväter unserer Genossenschaft war dies ein Grund, den entscheidenden Schritt zu tun. Angeregt wurden sie sicherlich auch von den bereits bestehenden Genossenschaften in den umliegenden Orten. Viele Gründungen tragen noch die Jahreszahl beginnend mit 18 und haben zur Zeit der Maitiser Gründung bereits mehr als 25 Jahre Bestand.
Für Maitis und Umgebung - es gab damals ca 300 Einwohner - war die Gründung einer Genossenschaft ein großes Ereignis.

Am 2. März 1924 trafen sich im Gasthaus "Zum Rad" Bürger aus Maitis und Umgebung. Der damalige Bürgermeister, auch Schultheis genannt, also dieser Schultheis Leonhard Boxriker hatte eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, einen Darlehenskassenverein in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft zu gründen. Das Gründungsprotokoll wurde von 50 Personen unterzeichnet. Anschließend hielt man die erste Generalversammlung ab und die ersten Wahlen wurden durch Zuruf vorgenommen. In unserer Jubiläumsbroschüre haben Sie sicherlich die Entstehung und die daran beteiligten Personen sich angeschaut.

Im Zeitraffer nun ein paar - zu Neudeutsch - Highlights aus der 75jährigen Geschichte:
Gegründet wurde die Genossenschaft 1924 als Darlehenskassenverein Maitis, 1935 wurde in Spar- und Darlehenskasse Maitis umgewandelt. Dieser Name hatte fast 35 Jahre bestand und auch heute gibt es immer noch den Satz "I gang gschwind zur Darlehnskass". 1969 wurde dann in den heutigen Namen Raiffeisenbank Maitis eG umfirmiert.

Die Buchhaltung mußte auch schon in der Gründerzeit ordentlich gemacht werden, damals alles handschriftlich. Dies wurde beibehalten bis 1962, dann stellte man auf die Kienzle-Maschinenbuchhaltung um. Gezwungen durch die stetig steigende Zahl von Buchungen wurde 1981 auf die zentrale Datenverarbeitung im Großrechenzentrum der Genossenschaftsbanken in Stuttgart umgestellt. 1989 zog mit dem Kauf des 1. PC`s das Computerzeitalter ein und heute werden die Daten direkt -Neudeutsch online - verarbeitet. Dafür stehen bei 5 Beschäftigten 8 Computer zur Verfügung.

Politisch und wirtschaftlich wurde von der Bank vieles gemeistert und überstanden so die Weimarer Republik mit der Rentenmark und das Tausendjährige Reich mit der Reichsmark. Mit Einführung der DM ging es dann steil bergauf, doch diese DM haben wir leider auch bald überstanden, denn der EURO erhält immer mehr Anteil am Bankgeschäft.

Den Wandel der Zeit kann man auch an den benötigten Räumlichkeiten darstellen.
In den ersten Jahren benötigte man noch wenig Platz für Bankgeschäfte und so reichte es aus, wenn die Kassenstunden in einer Kammer eines Privathauses oder im Rathaus abgehalten wurden.
Schon 1941 zeigte die Verwaltung Weitblick und kaufte mit der Molkereigenossenschaft das Gelände des Weilerschen Anwesens. Es dauerte bis in die 50-Jahre, bis man sich entschloß, ein eigenes Bankgebäude zu bauen. Nach vielen kontrovers geführten Sitzungen entschied man sich, am heutigen Standort zu bauen. Da das Warengeschäft noch deutlich die Oberhand hatte, baute man ein Lagerhaus mit kleinem Büroraum und Sitzungszimmer. Es brauchte nach alten Berichten auch viel Überredungskunst, daß in dieses Gebäude überhaupt ein WC eingebaut wurde. Im Lauf der Jahre gewann das Bankgeschäft immer mehr die Oberhand und nachdem sich das Bankteam immer mehr vergrößerte, mußten auch die räumlichen Gegebenheiten angepaßt werden. d.h. es wurde immer mehr Lagerraum in Büroraum umgebaut. Mit dem zunehmenden Einzug der Computertechnik zeigte es sich, daß die vorhandenen Räume nicht mehr ausreichten und die Verwaltung entschloß sich zu einem grundlegenden Um- und Erweiterungsbau. Ende 1993 konnte der Neubau bezogen werden und wir arbeiten immer noch sehr gerne darin.

Hinter all den Zahlen und Fakten darf man aber eines nicht vergessen - das sind die Personen, die diese Entwicklung erst möglich gemacht haben. Ich möchte deshalb nochmals zurückblicken auf das Jahr 1924. 50 Mitglieder in der Genossenschaft, bei 300 Einwohnern im Geschäftsgebiet bedeuten, daß fast jede Familie am Darlehenskassenverein beteiligt war. Die Genossenschaft wurde also von einer breiten Bevölkerungsschicht getragen und die Verbundenheit hierzu läßt sich auch daran ablesen, daß viele Nachfahren der Gründer auch bis in die heutige Zeit nicht nur als Kunden der Bank die Treue halten. Auch in Vorstand und Aufsichtsrat sind noch Nachkommen der Gründer für die Bank tätig. Wer sich einmal zur Übernahme einer Funktion bereit erklärte, der durfte das Amt meist auch lange behalten. Die Spitzenreiter dieser Tabelle möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
Platz 5: Aufsichtsvorsitzender Klaus Orthner mit 28 Jahren im Aufsichtsrat, davon 21 ARV;
Platz 4: Albert Schurr, Vorstandsmitglied von 1961 bis 1992 = 31 Jahre;
Platz 3: Wilhelm Boxriker Radelstetten, 1944 bis 1978 = 34 Jahre Aufsichtsratsvorsitzender;
Platz 2: Erwin Seng, von 1955 bis 1990 = 35 Jahre im Aufsichtsrat;
Die Spitzenposition hält Herr Willi Strohmaier sen. Er trat 1954 als Rechner in die Dienste der Bank ein und wurde 1976 zum Vorstand gewählt. Im Jahre 1990 wurde er in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Er hatte somit 36 Jahre aktiv für unsere Bank gearbeitet. In diesem langen Zeitraum wandelte sich der Spruch von vorhin wiefolgt ab: " I gang et zur Bank, i gang zum Strohmaier".

In unserer Bank gibt es aber nicht nur Aufsichtsräte und Vorstände, sondern auch Mitarbeiter, ohne die man nicht auskommt. Hierzu möchte ich gerne ein paar Sätze sagen. Und da die Bank immer klein und übersichtlich war und ist, freue ich mich, daß ich alle seit dem Jahr 1954 bei der Bank beschäftigten Personen heute begrüssen durfte und jetzt hier nennen kann. Wie bereits vorhin gesagt:
Als Herr Strohmaier im Jahre 1954 seine Arbeitsstelle bei der Darlehenskasse antratt, war er ein sogenannter Einzelkämpfer. 9 Jahre mußte er die Arbeit noch alleine bewältigen, dann wurde mit Frau Gerda Bühler die erste Angestellte in die Dienste der Bank übernommen. Dann folgte im Jahre 1972 Frau Lore Reik und 1978 wurde ich eingestellt. Im Jahre 1980 trat Frau Bühler in den Ruhestand und mein heutiger Vorstandskollege Willy Strohmaier wurde eingestellt. Seit 1994 komplettieren noch zwei reizende Damen, Frau Rita Bacher und Frau Heidemarie Pannemans unser harmonisches Team.

Zum Bankgeschäft gehören natürlich auch Zahlen. Dies soll zum ersten die Zahl der Mitglieder sein. Wie wir aus dem Gründungsprotokoll entnehmen, haben 50 Personen als Gründungsmitglieder unterschrieben. Im Jahre 1954 waren 78 Mitglieder eingetragen, im Jahre 1970 bereits 155. Seit dem Jahr 1984 steigt die Mitgliederzahl gleichmäßig an und zwar von damals 256 auf heute 539 Mitglieder.

Die zweite Zahlenreihe zeigt die Entwicklung des Bankgeschäfts auf. Es ist die Bilanzsumme. Beim 30. Bankgeburtstag waren es TDM 313, am 40. Jahrestag bereits 1,45 Mio ( 4,6fach) und zum 50. Geburtstag 4,8 Mio. (3,3fach). Beim 60. Geburtstag betrug die Zahl 12 Mio (2,5fach) und beim 70. 20,7 Mio (1,7fach). Aktuell beträgt die Bilanzsumme 23 Mio.


Raiffeisenbank Maitis eG
Gmünder Str. 39
73037 Göppingen-Maitis
Telefon 07165 / 400
Telefax 07165 / 8200
eMail info@raiffeisenbank-maitis.de
web www.maitis.de/firmen/raiffeisenbank/
 © Walter Hauber
21.05.2006 19:40